Leider ist das Internet auf Kuba, mit EUR 5,40 pro Stunde sehr sehr teuer. Vor allem wenn man bedenkt, dass es sich dann um einen Zugang über ein 56K Modem handelt. Sprich nur sehr sehr langsam vorangeht. Dies soll keine Entschuldigung sondern vielmehr eine Begründung dafür sein, dass mein Blog sich im letzten Monat kein bisschen verändert hat. Und ich muss auch zugeben, dass ich während meiner Reise nicht wirklich viel geschrieben habe.
Mittlerweile komme ich aber dem Ende meines Kubaaufenthalts immer näher. Heute sind es noch fünf Tage bis mein Flieger wieder zurück nach Toronto geht.
Mittlerweile bin ich in Holguin gelandet und werde mir von hier aus den weg zurück nach Havanna, mit Zwischenstop in Santa Clara, bahnen. Aber fangen wir doch erstmal von vorne an.
Nachdem ich mein Kreditkartenproblem gelöst habe bin ich Mit dem Bus nach Viniales in der Provinz Pinar del Rio gefahren. Hierzu kann ich berichten dass kubanische Busfahrten, dank Klimaanlage sehr kalt sind. In den Busen herschen stets polare Temperaturbedingungen während es draußen rund 27 °C hat, so dass man dann auch schön gegen eine Wand läuft wenn man den Bus wieder verläßt. Naja aber ich will mich nicht beschweren, schließlich war der Bus ja nur Mittel zum Zweck. In Viniales angekommen habe ich mir dann am nächsten Tag einen Roller gemietet, um damit die Region um das Dorf zu erkundschaften. Hiebei bin ich, über zwei Tage verteilt, auf Tabakplantagen, Zigarrenfabriken, Tropfsteinhöhlen, wunderschöne Sonnenaufgänge und einen herrlichen karibischen Traumstrand gestoßen.
Dann habe ich die Provinz Pinar del Rio verlassen um erneut mit dem Polarexpress in die Provinz Cienfuegos und hier in die gleichnamige Hauptstadt zu fahren. Dort musste ich dann feststellen, dass es in Kuba auch vollkommen westlich zugehen kann. Cienfuegos ist eher Vergleichbar mit einer europäischen Küstenstadt als mit einer anderen kubanischen Stadt.
Hier findet man sogar eine Einkaufspassage in der diverse Einkaufsläden alle nur Vorstellbaren Produkte anbieten. Hier kann man alles kaufen, was es auch bei uns gibt, von der Mikrowelle über Computer oder Notebooks, bis hin zur Küchenmaschine einfach alles.
Jedoch trübt der Schein ein bisschen. Zwar gibt es so gut wie alles aber es bleibt auch da wo es ist. Nämlich in den Schaufenstern der Läden. Das liegt schlicht und ergreifend daran, dass die Preise der westlichen Produkte auch sehr westlich sind. Zum Beispiel ein Notebook kostet um die 1500 CUC, was ca. 1350 Euro entspricht. Da das kubanische Durchschnittsgehalt bei monatlich 20 CUC liegt bleiben die tollen Produkte leider Träume. Für die Menschen ist das natürlich ein Schlag ins Gesicht. ca. 90% des erwirtschafteten Gelds geht an den Staat und dafür wird einem dann vor Augen gehalten was man sich sowieso nicht leisten kann. Die zwanzig CUC die ein gewöhnlicher Arbeiter im Monat erhält reichen für die Lebensmittel und dann hört es auch schon auf. Ein Bier kostet im Regelfall 1 CUC also ein zwanzigstel des Gehalts. großartiger Luxus bleibt den Kubanern also verwehrt. Erfahren wird ihn aber jeder Kubaner durch den täglichen Kontakt mit Touristen…
Abgesehen davon ist Cienfuegos eine sehr schöne Stadt da es viele alte Gebäude in einwandfreiem Zustand zu besichtigen gibt. Von einem Theater mit einem riesigen Deckenfresko über eine alte Kirche bis hin zu einer alten Villa eines Zuckerbarons mit Meerblick und noch vieles mehr. Jedoch reicht ein Tag auch vollkommen aus um alles zu besichtigen und somit hieß es wieder einmal Polarexpress.
Diesesmal war mein Ziel die nahegelegene Stadt Trinidad der Provinz Sancti Spiritus. Diese Stadt besticht durch ihr massives Aufkommen an Kolonialstil Gebäuden und ist daher auch ein Unesco Weltkulturerbe. Allerdings ist Stadt ein großer Begriff für dieses kleine Dorf und daher habe ich schnell die umliegende Gegend erkundschaftet. Zuerst hat es mich an den Strand gezogen. Um den Weg dorthin zu bewältigen wollte ich mir ein Fahrrad mieten. Leider gab es aber keine Schlösser mehr also sollte ich mit einem Kubanischen Kollegen mitgehen. Da ich kein Wort Spanisch spreche habe ich nicht so ganz kapiert was die von mir wollten und bin halt mal mitgegangen. Ich wurde dann in einen kleinen Hausflur einer noch kleineren Seitengasse gebracht hier gab es dann Schlösser und auch die dazugehörigen Fahrräder die wahrscheinlich vor der Revolution mal modern waren. Nach einem kurzen Test der bremsen (erfolglos) habe ich beschlossen keines dieser Fahrräder zu mieten, vor allem sollte der Preis der gleiche sein wie bei den Schlosslosen modernen Fahrrädern (china import). Allerdings wollte ich das ganze kombinieren und bei dem Schrottverleih ein Schloss leihen um ein modernes Fahrrad erhalten zu können. Woraufhin mein Mittelsmann in gebrochenem Englisch meinte: „Ich habe woanders ein Schloss.“ Ich bin davon ausgegangen das er sich das Geld verdienen will und bin darauf eingegangen. Allerdings brachte er mich wieder zurück zum ersten Fahrradverleih. Hier lag nun erstaunlicherweise ein Schloss auf dem Tisch. Also entgegnete ich das jetzt ja alles perfekt sei und wo ich unterschreiben solle. Allerdings wurde mir ein „No“ entgegengebracht. Nach langem hin und her habe ich dann kapiert, dass es nur möglich ist das Schloss zu bekommen wenn man zwei Fahrräder mietet, denn mit einem Schloss kann man zwei Fahrräder aneinander Schließen und somit bekommt der Verleih Geld für zwei Räder ich bin aber alleine und bekomme daher auch kein Rad… Ohne Schloss wollte er mir das Rad natürlich auch nicht geben da das ja viel zu riskant sei. Also habe ich mich auf die Suche nach einem Taxi gemacht und konnte mir dieses dann praktischer Weise auch mit ein paar anderen Touristen teilen. Zurück bin ich dann mit dem öffentlichen Bus gefahren, was auch mal ganz interessant aber nicht sonderlich spektakulär war.
Am nächsten Tag habe ich dann mit drei deutschen die ich am Vorabend kennengelernt habe eine Wanderung an einen Wasserfall unternommen. Dabei haben wir dann einen 75-jährigen Kubaner kennengelernt der abgeschottet ohne fließend Wasser außerhalb der Stadt lebt. Hier Pflanzt er diverse Gemüsearten an um zu überleben und freut sich über jeden Besucher. Stolz hat er uns dann seine Tomatensoße, abgefüllt in Bierflaschen, präsentiert. Hiervon produziert er jährlich 200 Stück und verkauft diese. Es war ganz schön beeindruckend diesen Mann kennenzulernen und von ihm ein bisschen über seinen Alltag zu erfahren.
Am finalen Ziel, dem Wasserfall gab es dann ein erfrischendes Bad im Pool des Wasserfalls – einfach Paradiesisch – und im Anschluss eine Fahrt zurück auf der Ladefläche eines chinesischen Trucks.
Am nächsten Tag bin ich dann weiter nach Santiago de Cuba. In Santiago findet man sicherlich mit Abstand die meisten „Hustler“ die alles versuchen um einem etwas anzudrehen oder etwas herzugeben. Aber dennoch hat mir diese Stadt sehr sehr gut gefallen nicht zuletzt wegen der Musik.
Mittlerweile hängt mir dieses kubanische Tourigedudel von Marionettenbands a la Buena Vista Nachahme derartig zum Hals raus dass ich manchmal schon überlegt habe zu fragen, wieviel es kostet die Band zum stoppen zu bringen.
Anders als in den meisten Touristädten haben die Musiker in Santiago es aber wirklich drauf. Hier merkt man auch schnell dass das Publikum plötzlich zu 90% aus Kubanern besteht.
Aber auch das Sightseeing war ganz nett. Zwar ähneln sich die Kubanischen Städte alle sehr aber Santiago hat sehr viel Leben und flair auf der Strasse. Viele touristen mögen Santiago nicht. Mir hat es jedoch sehr gut gefallen. In Santiago habe ich dann auch eine nette Holländerin getroffen die einen Mietwagen hatte und mir anbot mich nach Baracoa mitnehmen zu können. Da habe ich natürlich nicht nein gesagt und war einen Tag Später in Baracoa. Die Fahrt von Santiago nach Baracoa schlängelt sich eintlang der Küste bis es dann über die „la farola“ (eine Serpentinenstrecke durch die Berge) nach Baracoa geht. Hierbei ändert sich die Landschaft von Vulkangesteinküste bis hin zu tropischem Urwald. Baracoa selbst ist direkt an der Küste und hat diverse Strände in direkter Umgebung. Allerdings hatte ich dort schlechtes Wetter und somit war nicht viel mit Strandbesuch. Stattdessen habe ich eine Flussrundfahrt in einem kleinen Padelboot unternommen. Im Anschluss dazu habe ich dann noch eine Führung zur traditionellen Kakaoherstellung und zu der kubanischen Pflanzenwelt erhalten – sehr interessant. Am nächsten Tag ging es dann, wieder im Mietwagen der Holländerin mit zwei weiteren Deutschen weiter nach Holguin. Auf der Fahrt dorthin haben wir an dem, laut meinem Reiseführer, schönsten Strand Kubas angehalten, was natürlich auch sehr viel Spass gemacht hat. Von Holguin aus sind wir dann alle vier (Holländerin, zwei Deutsche und ich) am nächsten Tag an den 34 km nördlich gelegenen Strand gefahren. Hier haben wir einen Tag verbracht und dann haben sich all unsere Wege getrennt.
Am nächsten Tag habe ich erst einmal ausgiebig ausgeschlafen habe dann ein bisschen die Stadt angeschaut und habe letztlich eine 460 Stufen hohe Treppe bezwungen um auf einen Berg zu kommen von dem man die komplette Stadt sowie die umliegende Region begutachten kann. Leider musste ich, schnaufend am Gipfel angekommen, feststellen, dass mein Kameraakku leer war somit habe ich keine Fotos zum Präsentieren…
Wieder unten angekommen habe ich mein Busticket für den nächsten Tag nach Santa Clara reserviert und mich dann daran gemacht diesen Text zu tippen.